Wie man Probleme für sich nutzen kann

Otto Rehagel wusste, wie man mit schlechten Nachrichten umgehen kann. Zu einem Spieler befragt, der ihm seit Monaten Ärger machte, sagte er nur: „Ach, wissen Sie, ein Spieler, der mir keinen Ärger macht, der macht dem Gegner auch keinen!“ Otto Rehhagel ist ein Naturtalent. Man kann das aber auch mutwillig und gezielt machen. „Was habe ich von einem Kollegen, der ständig nervt?“, „Ich stehe jeden Morgen eine halbe Stunde im Stau, was soll daran gut sein?“ Wenn man es mutwillig betreibt, nennt der Fachmann es „Reframing“, der Laie sucht „das Gute im Schlechten“. Beide machen dasselbe: Wenn ich mich über irgendetwas beschwere, dann ist das Beklagte bereits Vergangenheit, also nicht mehr änderbar. Ich kann mir also nur noch überlegen, ob ich es für die Zukunft ändern kann oder ob ich weiter damit leben will. Ändern geht fast immer, aber oft will man die Konsequenzen nicht tragen (Jobwechsel z.B.). Manchmal kann man tatsächlich nichts ändern.

Aber man kann das Geschehene immer roch anders bewerten. Nach dem schönen Muster: „Problem erkannt – (theoretische) Funktionen benannt – praktischer Nutzen entdeckt – Problem aufgelöst“ hat man souverän an der eigenen Wirklichkeit gedreht und kann möglicherweise besser damit leben, ja sogar einen Nutzen haben. Der nervige Kollege wird zum Sparringspartner, weil er eben nicht nur nervt. ER selbst nervt sowieso nicht, er tut nur irgendetwas Bestimmtes. Und weil ich so gestrickt bin, wie ich es bin, nervt es mich. Das, was er tut, kann ich aber mit einer anderen Funktion als nur „mich ärgern“ belegen. Z.B. zeigt er mir, wie es nicht gemacht wird (davon kann ich eine Menge konkrete Detailverhaltensweisen ableiten). Dadurch wird er quasi mein Trainer, mein Sparringspartner und damit potenziell nützlich. Mein Profil wird schärfer, ich agiere bewusster und letztlich entwickle ich mich in genau die richtige Richtung. Und dafür könnte ich der Nervensäge fast dankbar sein, oder?

Merke: es geht hier nicht um „Positives Denken“ an sich, oder darum, einfach die rosarote Brille aufzusetzen, wenn irgendetwas nervt! Oder einfach wegzuschauen. Im Gegenteil, es geht darum Souveränität über die eigenen Reaktionen und das Nutzen eigener Ressourcen zu erlangen und hinzuschauen. Die Welt ist so, wie sie ist, und in dem Aspekt, der mich stört und den ich nicht ändern kann, bin ich nicht hilflos ausgeliefert, sondern kann allein durch Denken einen Nutzen für mich konstruieren. Oder fachchinesisch ausgedrückt: Positive Konnotation verändert nicht das Geschehen, aber die Bedeutung für mich und damit die Konsequenzen für mich. Wäre doch blöd, man ließe diese Chance außen vor!

 

Ob etwas „ärgerlich“ ist oder „hilfreich“, entscheide ich, gelingt es mir, zunächst (!) wertfrei zu denken!

Den Nutzen in Problemen erkennen

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