Wenn ich Pech habe, muss ich bis 70 arbeiten!

Oder: Hunde, wollt Ihr ewig leben?

Ein Seminarteilnehmer sagte letztens: „Wenn ich Pech habe, muss ich bis 70 arbeiten!“ ein anderer sagte daraufhin, wie aus der Pistole geschossen: “Tja, wenn ich Glück habe, darf ich das auch!“

Der eine befürchtete die schließlich doch notwendige Erhöhung des Renteneintrittsalters. Der andere, dass die Rente sowieso nichts taugen würde und er deswegen weiter arbeiten müsste, um sich selbst oder vielleicht sogar noch weitere Personen durchzubringen. Wann bemerken wir eigentlich wirklich, dass ein Rentensystem nicht mehr finanzierbar ist, wenn nur noch die Minderheit arbeitet und die anderen damit beschäftigt sind steigende Ansprüche zu formulieren? Z.B. den Anspruch auf eine Beschäftigungstherapie gegen drohende Altersdemenz oder nur nagende Langeweile?

Wie verrückt sind wir eigentlich schon?

Werden wir auch dann noch behaupten, dass „der Chinese an sich“ nur westliche Technik imitieren kann, wenn wir schließlich von einem netten chinesischen Entwicklungshelfer einen Kleinkredit bekommen? Um uns mit dem Verkauf von Apfelmus aus unserem zugeteilten Schrebergarten ein Zubrot zu verdienen?

Warum freuen wir uns nicht, dass unsere Lebenserwartung dermaßen gestiegen ist, dass wir locker mit 70 noch arbeiten können, ohne, dass unsere Lebensqualität spürbar sinkt? Ganz im Gegenteil? Wollten die „Alten“ nicht immer schon „gebraucht“ werden? Einen Sinn in Ihrem Leben entdecken anstatt in Ruhe auf den Tod zu warten und die Rente zu sparen, damit sie etwas zu vererben hatten?

Manchmal reden meine 50jährigen Bekannten davon, wie man sich am besten und schnellsten auch heute noch in den Vorruhestand begeben kann. Manch einer meiner 58 – 60jährigen Kollegen ist bereits im Ruhestand. Oder in „Altersteilzeit“, die kaum einer als Teilzeit wahrnimmt, sondern möglichst ganz früh ganz herausgeht aus dem Berufsleben. Aber was kommt dann? Und einige von ihnen beeilen sich ganz schnell zu sagen, dass sie aber selbständig natürlich weiterarbeiten! Weil ihnen schon nach drei Monaten die Decke auf den Kopf gefallen ist.

Vielleicht ist der Kardinalfehler, dass viele von uns gar keine Berufe haben, weil sie ihre eigenen Interessen gewohnheitsmäßig hintenan stellen. Viele haben wohl tatsächlich nur einen Broterwerb und verkaufen ihre Lebenszeit  für eine Tätigkeit, die sie gar nicht interessiert? Was für eine traurige Geschichte! Wann fangen wir an uns selbst ernst zu nehmen und nicht mit Sachzwängen zu argumentieren, um uns selbst klein zu machen?

Ein Bremer Unternehmer ist mir in Erinnerung, der an einem Freitag Mittag im Jahre 2007 im Club zu Bremen saß. In dieser Runde kannte ihn jeder andere Anwesende. Jeder wusste, dass er schätzungsweise seit 40 Jahren keinen Urlaub gemacht hatte und mindestens 12 Stunden oder mehr am Tag arbeitete. Er sagte nach dem Bericht mehrerer gestresster Führungskräfte aus dem Mittelstand über immer höheren Arbeitsdruck und eine unerträgliche Arbeits-Atmosphäre: „Mein Gott, was habe ich für ein Glück gehabt, dass ich nie in meinem Leben arbeiten musste!“

Was für ein glücklicher Mensch! Zufall? Wohl kaum!

In Zeiten des Arbeitskräftemangels erinnert man sich gerne daran, dass es Menschen jenseits der 50 gibt. Und dann wird uns plötzlich auch wieder bewusst, dass wir alle immer älter werden und immer kürzer arbeiten und dass uns das noch vor Kurzem als „soziale Errungenschaft“ verkauft worden ist. Heute fragt sich aber bereits der eine oder andere: Kann ich mir das eigentlich leisten, jetzt aufzuhören? Und was soll ich dann machen? Die pauschale Antwort: „Eine Weltreise“!  ist nicht  lebensfüllend und wenn nicht etwas wirklich Sinnvolles dazukommt, wird ein großes schwarzes Loch immer breiter und länger, dem man womöglich kaum noch ausweichen kann. Der Zusammenhang von früher Verrentung und frühem Tod ist bereits nachgewiesen. Darüber berichtete das Handelsblatt bereits im Jahre 2010. Und natürlich gibt es Menschen, die freuen sich berechtigterweise darauf, endlich keine Verpflichtungen mehr zu haben. Sie freuen sich ausschlafen zu  können, wann immer sie wollen, und dann ihren Hobbies oder Lieblingsthemen nachzugehen, für die sie bisher voll im Berufsleben stehend, viel zu wenig Zeit hatten. Und natürlich haben wir vollsten Verständnis für „Presslufthammer-Bernhard“ , der mit 60 einfach nicht mehr kann. Wer aber 40 Jahre lang in einem klimatisierten Büro seinen Dienst tat, sollte sich fragen, was er zukünftig macht und nicht, was er nicht macht!

Im Moment werden sie umworben, die Oldies. Im Moment ist es wohl unklar, ob wir in den nächsten Jahren tatsächlich den befürchteten Arbeitskräftemangel haben werden und sie umwerben müssen oder ob die nächste Stufe der industriellen Revolution, die „digitale“ Revolution, soviel Arbeitsplätze hinwegfegt, dass wir um jeden froh sein müssen, der in „Ruhestand“ geht, möglichst noch weit vor seinem 50sten Lebensjahr.

Trotzdem sei hier der Hinweis auf eine Aktion von Mercedes hingewiesen, die in vielen Punkten zu denken gibt und die auf vielfältigste, kreative und wie ich finde sehr angenehme Art und Weise versucht, Vorurteile gegenüber jedwedem Alter zu beleuchten und obsolet zu machen.  Und hören Sie endlich auf, sich alt und überflüssig vorzukommen!

EY ALTER – du kannst dich mal kennenlernen Jetzt digital im Netz zum Mitmachen www.eyalter.com

Was bedeutet es jung zu sein und wann gilt man als alt? Welche bislang unbekannten Fähigkeiten gibt es bei mir selbst zu entdecken? Antworten und Denkanstöße dazu bietet die interaktive Sonderausstellung „EY ALTER – du kannst dich mal kennenlernen“, die im nächsten Jahr Berlin zu sehen sein wird. In der interaktiven Ausstellung wird erlebbar gemacht, wie relativ und individuell Alter ist und es wird mit angestaubten Altersbildern aufgeräumt. Das Alter hat Einfluss auf das Denken und das Denken bestimmt das Alter – diesem Grundsatz folgt EY ALTER und fordert den Besucher am Anfang auf: Entscheide dich – bist du alt oder jung? Anhand von vier Themenbereichen erlebt der Besucher, was unser Denken über Alt und Jung bestimmt, wie facettenreich das eigene Alter ist, worin die persönlichen Potenziale liegen und wie diese in Teams mit unterschiedlichen Generationen eingebracht werden können. Im „Café Zukunft“ werden die Chancen, die der demografische Wandel bietet, die Zukunft der Arbeit neu zu gestalten, aufgezeigt.

Die Ausstellung EY ALTER entstand auf Initiative und nach Ideen von Mercedes-Benz. Sie ist Teil der Demografie-Initiative „YES – Young and Experienced together Successful“ (Jung+Erfahren=erfolgreich), die einen Kulturwandel im Unternehmen anstoßen und die Zusammenarbeit von jungen und erfahrenen Mitarbeitern in der Pkw-Produktion fördern soll. Realisiert wurde die Ausstellung unter wissenschaftlicher Begleitung der Jacobs University in Bremen.

Wenn ich Pech habe, muss ich bis 70 arbeiten!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.