Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht!

Glaubenssätze lassen soziale Systeme erstarren oder: Es lohnt sich seine eigenen Ketten zu sprengen!

Dipl.-Psychologe Heinz-Detlef Scheer fragt seine Coaching-Kunden oft: Was hält Sie eigentlich davon ab, liebevoller, ja geradezu empathisch mit sich selbst umzugehen?

Führungskräfte pflegen oft Glaubenssätze folgenden Typs:

„Eine gute Führungskraft muss immer alles im Griff haben!“ Der Besitzer dieses Glaubenssatzes erfüllt die Vorgaben, die er sich unbewusst selbst macht, bis er gegen sie verstößt. Versagen ist dabei garantiert, denn wer hat schon immer alles im Griff?

Man kann ja doch nichts ausrichten…

„Als einfacher Angestellter kann man nichts machen, wenn das Betriebsklima schlecht ist. Das ist vom Chef abgängig!“ Dieser mit der Überzeugung „Der Fisch stinkt vom Kopf’“ verwandte Satz ist keine Beschreibung von Wirklichkeit, sondern er entpuppt sich bei näherem Hinsehen als folgenreiche Regieanweisung für das eigene perfekte Opferverhalten von Angestellten: „Ein Mensch in meiner Position kann nichts an den Verhältnissen ändern, ohne den Kürzeren zu ziehen. Man kann das nur aushalten und sehen, dass man frühzeitig in Rente gehen kann!“ ist die Bankrotterklärung eines Menschen mit vielleicht verbleibenden 15 Jahren Berufszeit und 25 – 30 Jahren Lebens- und Berufserfahrung und einer ebenso lang noch andauernden Lebenserwartung.

„Wenn man nicht unangenehm auffällt, kann man es hier gut aushalten!“ ist schließlich die totale Resignation eines Menschen, der ohne selbstbetrügerische Absicht dennoch nur glaubt, sich etwas Gutes zu tun, seine Selbstwirksamkeit mit diesem Satz aber endgültig abschafft.

Hilflos zu sein, ist doch nicht bequem, oder?

Warum richten sich so viele Menschen langfristig und scheinbar gemütlich in ihren sie offenbar einschränkenden Bedingungen ein? Weil jeder gerne in seiner psychischen „Komfortzone“ verharrt. Und so paradox es klingt: Auch ein schwerwiegendes Problem kann dazugehören! Sei es von außen betrachtet auch noch so hässlich, kann es in seiner Vertrautheit, in seiner verlässlichen Wiederkehr Geborgenheit bieten. Und wenn eine ganze Gruppe vom Menschen sich so – solidarisch – einrichtet, dann wird es richtig gemütlich – und gefährlich.

Dauer-Frust aushalten und Resignation sind keine Formen intelligenter Anpassung, dadurch wird man nicht erwachsen, sondern vollständig wirkungslos! Seltener auch aggressiv. Oder autoaggressiv und depressiv. Kein großer menschlicher Erfolg!

„Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht!“ klingt ähnlich, meint aber das Gegenteil. Mir zum ersten Mal in einer Eppendorfer Eckkneipe begegnet hat dieser „Sponti-Spruch“, dieser Glaubenssatz es in sich: „Ja, aber dann hat man ja kein Problem!“, sagt der eine. „Ja, schon, aber eigentlich geht es uns ja gut, oder?“, sagt vielleicht die andere. „Hat man die Fesseln erst bemerkt, will man sich von ihnen befreien!“ Und das kann Risiken bringen…

Die Rechnung „Ich fange lieber gar nicht erst an, weil die Konsequenz noch schlimmer sein kann!“ hält viele von uns ab, den entscheidenden Schritt zu tun. Fast jeder Abenteurer aber wird bestätigen: Das kalkulierbare Risiko ist hoch, der Gewinn aber ist höher. Auch wenn wir dabei ein paar „Freunde“ verlieren. Wir gewinnen neue. Echte. Garantiert.

Vielleicht sogar uns selbst.

Wir wünschen Ihnen einen erfolgreichen Arbeitstag und viele konstrukti(vistisch)e Gedanken!

Ihr Heinz-Detlef Scheer

Führungskraft ja – Veränderung nein!

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